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Auslandsschulden drohen zum Problem zu werden falls Weltwirtschaft weiter abkühlt

28. März 2019, 16:55 Uhr

Da die Weltwirtschaft spürbar abkühlt, und einige Schwergewichte wie die Türkei, Deutschland, das Vereinigte Königreich oder gar die USA auf eine (milde) Rezession zusteuern könnten, erscheint es ratsam, einen genaueren Blick auf die aktuellen Stände der Auslandsverschuldung verschiedener Länder zu werfen, um mögliche Problemquellen möglichst frühzeitig zu identifizieren.

Zunächst ist es wichtig, die Netto- statt der Brutto-Auslandsschulden ins Auge zu nehmen, denn letztere allein wären vollkommen irreführend: Internationale Gläubiger wie die Niederlande, Singapur oder die Schweiz weisen zum Beispiel Brutto-Auslandsschulden relativ zum BIP in Höhe von mehr als 500% bzw. 450% und 250% auf – wiewohl natürlich keins dieser Länder auch nur in der Nähe einer drohenden Zahlungsbilanzkrise ist. Das liegt einfach daran, dass sie zugleich auch hohe Auslandsaktiva angehäuft haben, so dass ihre Netto-Auslandsverschuldung oder auch Netto-Auslandsinvestmentposition (engl.: NIIP) erheblich niedriger liegt; im Fall der drei genannten Länder resultiert das am Ende sogar in jeweils positiven Salden.

NIIPs sind sodann eine sehr handliche, erste Messzahl, um potentielle Problemquellen in der Weltwirtschaft aufzuspüren, sollte es zu einer Verengung des Kreditangebots aus welchen Gründen auch immer kommen. Eine lediglich erste Messzahl deshalb, weil in einer ganzen Reihe von Fällen die NIIP allein nicht ausreicht, um das tatsächliche Risiko infolge der jeweiligen Auslandsverschuldung zu ermitteln; andere entscheidende Faktoren wie das Ausmaß des Leistungsbilanzdefizits (oder gar des Leistungsbilanzüberschusses), die Liquidität der heimischen Währung wie auch der Bestand an Devisenreserven, und schließlich eben auch das absolute Volumen der Auslandsschulden im Vergleich zu den Schulden bei inländischen Gläubigern.

Wenn alle diese Faktoren berücksichtigt werden, ergibt sich schnell eine Handvoll von Ländern, die in der näheren Zukunft erhöhte Aufmerksamkeit verlangen (s. Chart).

Zuvorderst steht, wenig überraschend, die Türkei: Das Land rangiert kontinuierlich unter jenen Schwellenländern mit besonders hoher Anfälligkeit für ein kontrahierendes Kreditangebot; seine NIIP liegt über 50%. Offensichtlich ist es da nicht eben hilfreich, dass die Regierung aktuell in ihre schlechten Gewohnheiten aus der letzten Währungskrise von vor einem Jahr zurückfällt, indem sie Kapitalverkehrskontrollen einführt, die internationale Gläubiger eher abzuschrecken geeignet sind.

Darauf folgt Indonesien mit einer Netto-Auslandsverschuldung von rd. 47% des BIP. Obwohl die Wirtschaftsleistung des Landes knapp ein Viertel höher ist als die der Türkei, ist dieses Niveau der NIIP doch immer noch zu hoch, um unbedenklich zu erscheinen, vor allem, wenn man die vergleichsweise kleinen Devisenreserven des Landes berücksichtigt (dies ist der primäre Grund warum beispielsweise Indien hier keine Erwähnung findet: Dessen Devisenreserven sind beinahe so hoch wie seine gesamten Auslandsschulden).

Mexiko und Brasilien rangieren schließlich zwar auf etwas niedrigeren Niveaus; doch mit NIIPs von immer noch rd. 33% des BIP sind beide recht verwundbar für eine plötzliche Verknappung des Kreditangebots. Das gilt insbesondere für Mexiko: Seine Wirtschaftsleistung ist in etwa nur halb so groß wie die Brasiliens, doch seine Brutto-Auslandsschulden betragen etwa zwei Drittel des Landes am Zuckerhut.

Nach unserer Einschätzung wird die Bonanza in den Schwellenländern schon bald auslaufen, wenn auch nicht aus den ursprünglich angenommen Gründen: Weniger als die US-amerikanische Fed, die mit Zinserhöhungen das Kapital von riskanteren Schuldnern weglockt, als vielmehr die Bedrohung einer scharfen Abbremsung der globalen Ökonomie mit der zugehörigen Kreditverknappung steht an, die Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer abzuwürgen.

Eigene Darstellung