Menu

Bank von England dürfte bis Ende 2018 nur einmal die Zinsen erhöhen

19. Oktober 2017, 13:21 Uhr

BoE

Zuerst gelang ihr die völlige Überraschung; dann verstärkte sie diese noch; und nun scheint es, als ob sie etwas über das Ziel hinausgeschossen ist. Die Rede ist, genau, von der Bank von England.

Im Juni schreckte das 3-5 Votum des geldpolitischen Komitees der Bank (MPC) zu Gunsten einer Zinserhöhung die Märkte auf, die bis dahin die Minderheitsmeinung lediglich zweier notorischer Abweichler gewohnt gewesen waren. Einige Wochen nach diesem ersten Schock unterstützte dann niemand anders als der Gouverneur der Bank von England, Mark Carney selbst diese Umorientierung, indem er angesichts von Inflationsraten deutlich oberhalb des Zielwerts der Zentralbank klarstellte, dass die Zeit für eine Beendigung der ultra-laxen Geldpolitik gekommen sei. Diese neue Linie ist schließlich in den zurückliegenden Wochen von mehreren anderen Mitgliedern des MPC aufgenommen und von Mark Carney zudem mehrfach bekräftigt worden; so hatten die Märkte schließlich noch zum Beginn dieser Woche eine Wahrscheinlichkeit von 80% für eine Zinserhöhung bereits im November eingepreist. Doch just vorgestern schient der Gouverneur bei seiner Anhörung vor dem Finanzausschuss des britischen Parlaments nun anzudeuten, dass wiewohl er nach wie vor eine Zinserhöhung in den kommenden Monaten für angemessen halte, diese nicht notwendigerweise bereits im November erfolgen müsse – und wir können leicht erkennen weshalb.

Obwohl wir bereits frühzeitig die Zwickmühle vorgezeichnet haben, in der sich die Bank von England nun befindet, bezweifeln wir doch, dass es bis Ende 2018 mehr als eine Zinserhöhung geben wird – abhängig von der weiteren Entwicklung der Brexit-Verhandlungen natürlich.

Zweifellos liegt die Inflation deutlich oberhalb der Komfortzone der Zentralbank, da sie die Nominallohn-Zuwächse schon seit einiger Zeit komplett aufzehrt; doch sind gerade die Verbraucher der Grund, warum wir mehr als eine Zinserhöhung in den kommenden Monaten für sehr unwahrscheinlich halten. Denn die seit dem Brexit-Referendum so erstaunlich unbeschwerte, kreditfinanzierte Ausgabenlaune der britischen Konsumenten wurde bislang vor allem von Einem gespeist: steigenden Häuserpreisen. Genau die allerdings haben jüngst den Rückwärtsgang eingelegt, mit dem sonst so überschäumenden Londoner Immobilienmarkt vorneweg. Falls sich dieser Umschwung fortsetzen sollte, wäre das letzte, was der Markt jetzt gebrauchen könnte, zusätzlicher Druck auf die Hypothekenraten durch steigende Zinsen: Nach einem kurzen Knick in der Folge der Finanzkrise von 2008 sind die britischen Verbraucher mittlerweile wieder in die Top Five der G20-Staaten in puncto Hauhaltsverschuldung im Verhältnis zum Einkommen aufgestiegen, mit einem Gesamtbestand von ungesicherten Darlehen in Höhe von rund 200 Mrd. £! Und trotz all der Diskussion um möglichen Inflationsdruck widersetzt sich nach wie vor das wichtigste Element dafür: die Nominallöhne. Die jüngste zugehörige Statistik wies erst gestern für die drei Monate bis August einen Anstieg von 2,2% im Jahresvergleich auf, wie das beinahe im gesamten Jahresverlauf schon der Fall gewesen ist. Solange jedoch nicht annähernd eine Lohn-Preis-Spirale erkennbar ist, wird die Bank von England sehr vorsichtig sein, eine Ökonomie am Rande der Brexit-Klippe nicht leichtfertig hinüberzustoßen.

 

[Photo: PeterRoe, freie Verwendung unter Creative Commons-Lizenz CC0 1.0]