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Donald Trumps Handelskriege drohen boomende Wirtschaft zu torpedieren

25. Januar 2018, 14:21 Uhr

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Nachdem er in seiner Wahlkampagne versprochen hatte, das Freihandelsabkommen NAFTA aufzukündigen und Chinas angebliche, unredliche Bevorteilung der US-Wirtschaft zu beenden, waren im Lauf des vergangenen Jahres viele Beobachter angesichts mangelnder Taten zu der Überzeugung gelangt, das Donald Trumps Drohungen wohl doch nur Säbelrasseln gewesen seien. Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko? Bisher sind keine Betonmischer in Sicht. Aufkündigung von NAFTA? Kongressmitglieder aus besonders vom Außenhandel abhängigen Bundesstaaten sowie Lobbyverbände wie die US Chamber of Commerce haben dem Präsidenten offenbar verdeutlichen können, welche dramatischen Konsequenzen das für die eigene Wirtschaft hätte. China in die Schranken weisen? Bei seinem Besuch auf dem APEC-Forum in Vietnam gegen Ende des vergangenen Jahres hatte The Donald stattdessen eine regelrechte Charme-Offensive gegen das Reich der Mitte gestartet. Nun jedoch hat der Präsident mit einem unvermittelten Schlag seine Worte in die Tat umgesetzt: Nicht nur gegen China, sondern auch gegen den US-Verbündeten Südkorea verhängte er Strafzölle auf Solarpaneele und Waschmaschinen, und dies scheint nur der Auftakt zu einem regelrechten Handelskrieg zu werden.

Das hat Märkte und Investoren auf dem völlig falschen Fuß erwischt. Der Konsens ging bislang davon aus, dass, von dem ein oder anderen Scharmützel einmal abgesehen, es keine große Ablenkung vom aktuell märchenhaften Umfeld der Weltwirtschaft geben werde, an das sich Unternehmen und Marktteilnehmer so sehr gewöhnt haben. Nun jedoch hat Südkorea unmittelbar Gegenmaßnahmen angekündigt, und China dürfte unzweifelhaft folgen. Sogar noch besorgniserregender ist jedoch das Szenario, in dem China seine gigantischen Bestände an US-Staatsanleihen als Waffe in diesem drohenden Handelskrieg einsetzen könnte. Die Märkte schreckten prompt auf, als zu Beginn des Monats die Nachricht kursierte, das Reich der Mitte könnte seine Anleihekäufe einstellen oder gar beginnen, seine Bestände abzuschmelzen. In solch einem Szenario würden die Renditen der leitenden 10-jährigen US-Staatsanleihe ganz ohne steigende Inflation schnell auf 3% und darüber klettern, und so eine weitere, machtvolle Antriebsfeder einer großen, disruptiven Marktumwälzung springen lassen; letztere hätte dann durchaus das Potential, die Realwirtschaft in Mitleidenschaft zu ziehen (s. die kommende Ausgabe unseres monatlichen Infobriefs). Doch sogar ohne dieses besonders düstere Szenario würde der Ausbruch eines Handelskriegs der Vereinigten Staaten gegen eine Reihe von asiatischen Ländern ausreichen, um reichlich Sand in das Handelsgetriebe der Weltwirtschaft zu streuen, das ohnehin nicht eben rund läuft. Globale Umschlagplätze wie Singapur wären dann negativ betroffen; am meisten jedoch würden die aktuellen Lieblinge internationaler Investoren, die Schwellenmärkte zu leiden haben. Viele von ihnen hängen von freien Märkten für ihre noch immer im Aufbau befindliche Exportindustrie ab; wird der Zugang eingeschränkt oder gar geschlossen, würden viele von ihnen angesichts hoher Schulden bei zugleich sich verschlechternder Leistungsbilanzen in große Probleme geraten.

Noch besteht die Hoffnung, dass Donald Trump schlicht seine Entschlossenheit demonstrieren möchte, um so China an den Verhandlungstisch zu bringen. Doch kommen wir leider zu einem anderen Ergebnis: Der Präsident sieht sich mit ungünstigen Zwischenwahlen im November konfrontiert, bei denen seine Republikanische Partei Gefahr läuft, eine oder gar alle beide Kammern des Kongresses an die Demokraten zu verlieren. Wenn Trump sein zentrales Wahlkampfversprechen nicht umsetzt, amerikanische Jobs zu schützen, wird die Wut seiner bisherigen Anhänger die Grand Old Party wie eine Dampfwalze überrollen. Rechnen Sie also damit, dass The Donald von diesem Eröffnungsfeuer zur regelrechten Schlacht im Lauf des Jahres übergeht – mit großen Verlusten und Kollateralschäden in der Folge.