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Donald Trumps nächster Schritt: Währungsintervention

14. August 2019, 11:34 Uhr

Der US-Dollar hat trotz der jüngsten Zinssenkung der Federal Reserve kaum an Stärke eingebüßt – und weigert sich stur, den Wünschen Donald Trumps Folge zu leisten. In seinem Bestreben, das Außenhandelsdefizit der USA zu senken, hat der Präsident ein konsequentes Interesse daran, den Greenback zu schwächen. Und wir rechnen damit, dass er dafür auch vor dem letzten Mittel nicht zurückschrecken wird: der direkten Intervention des Schatzamtes auf den Devisenmärkten.

Mittlerweile hat Donald Trump seine störrische Entschlossenheit klar unter Beweis gestellt, China im aktuellen Handelskonflikt zu übertrumpfen und dabei sogar den ausdrücklich gegenteiligen Rat seines Teams in den Wind geschlagen. Und obwohl die gestrige Ankündigung teilweiser Ausnahmen von wie auch einer Verschiebung generell der nächsten Zollrunde eine Erleichterung für seine Berater gewesen sein dürfte, sollten Märkte und Unternehmen dies nicht mit einem Bewusstseinswandel im Weißen Haus verwechseln.

Der Präsident hat realisiert dass letztenendes seine Bemühungen, das bilaterale Handelsdefizit mit China zu reduzieren vergeblich sein werden, solange die parallele Abwertung des Yuan dem entgegenwirkt. China hat seinerseits jedoch klar gemacht, dass es keine Anstrengungen unternehmen wird, um einer „vom Markt gelenkten“ Abschwächung des Yuan entgegenzuwirken, während die Fed sich ‚weigert‘, den Wünschen Trumps Folge zu leisten.

Daher war die Bezeichnung Chinas als „Währungsmanipulator“ lediglich der erste Schritt, quasi die notwendige Bedingung, die den Präsidenten in die Lage versetzt, in gleicher Münze zurückzuschlagen (aus seiner Sicht). Auf perverse Art und Weise hat die gestrige Deeskalation die Währungsvergeltung eher noch wahrscheinlicher gemacht: Da Trump sich offenbar genötigt sah einzusehen, dass die neuen von ihm beabsichtigten Zölle seine Beliebtheit bei den US-Verbrauchern beschädigen könnten (und dies zu unpassender Zeit mit Blick auf das kommende Wahljahr) , wird er nun umso mehr darauf erpicht sein, die Daumenschreiben anderweitig anzuziehen. Wie überaus praktisch also, dass die direkte Intervention auf den Devisenmärkten eine ausschließlich exekutive Maßnahme des Schatzamtes auf Anordnung des Präsidenten ist.

Da die neuen Zölle nun nicht vor Dezember in Kraft treten werden, läuft die Zeit davon, einen Deal noch rechtzeitig vor dem Wahljahr zur Erzielung maximalen politischen Kapitals abzuschließen (s. zugehörigen Post), so dass die Währungsintervention das einzig noch verbliebe Mittel des Präsidenten ist. Daher rechnen wir mit einer entsprechenden Ankündigung der USA in den kommenden Wochen, und sei es nur, um China gegenüber die eigene Entschlossenheit zu demonstrieren, damit die andere Seite die gestrige leichte Entspannung nicht als allgemeine Lockerung der US-Verhandlungsposition interpretieren möge. Der Handelskonflikt ist weit von seinem Ende entfernt, und er wird noch bedeutend hässlicher werden, bevor er vielleicht einmal beigelegt wird.

 

[Photo: Medusa242, Verwendung unter Creative Commons-Lizenz BY-SA 3.0]