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Erster Zahlungsausfall eines chinesischen Staatsunternehmens kündet von Turbulenzen

28. Februar 2019, 12:59 Uhr

Es ist beileibe nicht der erste Zahlungsausfall eines chinesischen Unternehmens in den zurückliegenden Jahren, mit bereits drei privaten Firmen im Rückstand mit ihrem Schuldendienst allein in diesem Jahr. Es ist noch nicht mal der erste Zahlungsausfall eines Staatsunternehmens (state-owned enterprise, SOE), jedenfalls insofern es den heimischen Markt für Renminbi-Anleihen betrifft. Doch die Qinghai Provincial Investment Group stellt den ersten Fall eines SOE in zwanzig Jahren dar, das eine in US-Dollar denominierte „offshore“-Anleihe nicht bedient, und kündet damit von einem neuen Kapitel in der zunehmend eingetrübten Saga, die die chinesische Ökonomie geworden ist.

Der Grund, warum dieses scheinbare Randereignis tatsächlich ziemlich bedeutsam ist, liegt im Verhalten der Provinzregierung von Qinghai: Bisher sind Lokal- und Provinzregierungen in China noch stets zur Rettung von in Bedrängnis geratenen SOEs geeilt, um mindestens deren Schuldendienst in Bezug auf offshore-Anleihen sicherzustellen. Doch dieses Mal scheint die von der nationalen Regierung in Peking verordnete Politik der systematischen Schuldenreduktion ihr erstes Opfer im Zusammenhang mit ausländischen Schuldbeziehungen gefordert zu haben. Obwohl es noch zu früh ist um sicher sagen zu können, ob dies tatsächlich der Beginn einer neuen harten Linie auch mit Blick auf Auslandsschulden ist, reibt es sich jedenfalls merkwürdig mit den jüngsten Bemühungen Chinas, ausländisches Kapital zur Abfederung der Verlangsamung der heimischen Wirtschaft ins Land zu locken (s. Blogpost zu Chinas verwirrenden Kapitalverkehrskontrollen). Sollte das Beispiel von Qinghai Schule machen, können sich Anleiheinvestoren auf einen wilden Ritt gefasst machen, just da sie mit Blick auf die Kehrtwende der US-Notenbank kollektiv aufgeatmet hatten.

 

[Grafik: JanDyrda, Verwendung unter Creative Commons-Lizenz CCO 1.0]