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Niederländische Volkswirtschaft im neuen Jahr vor Scheideweg

09. Januar 2020, 17:17 Uhr

Bisher war sie eine von den Ökonomien, die sich im Angesicht eines globalen Abschwungs im Verarbeitenden Gewerbe noch vergleichsweise gut geschlagen hat. Doch nun hat sich auch die niederländische Volkswirtschaft die industrielle Erkältung eingefangen und sieht sich zum Beginn des neuen Jahres einer entscheidenden Weggabelung gegenüber: Ob es einen belastbaren Waffenstillstand im von den USA global entzündeten Protektionismus geben wird oder nicht.

Als einer der weltweit größten Güterexporteure sind die Niederlande stets in ihrer Geschichte vom freien Welthandel und globalen Lieferketten abhängig gewesen. Angesichts dessen ist es umso bemerkenswerter, dass im Unterschied zu ihrem großen Nachbarn Deutschland die niederländische Ökonomie über den größten Teil des vergangenen Jahres noch vergleichsweise gute Wachstumsraten sowohl hinsichtlich der Industrieproduktion, der Exporte als auch des BIPs insgesamt aufwies. Doch gegen Ende von 2019 waren die ersten Erschütterung auch auf den Poldern spürbar, mit einem Minus bei der Industrieproduktion von ganzen 2,1% im Jahresvergleich im November (s. Chart). Zugleich hat sich auch die Zuversicht der niederländischen Verbraucher stark eingetrübt und droht, das entscheidende Gegengewicht gegen die Malaise im Verarbeitenden Gewerbe zu gefährden.

Daher ist die weitere Entwicklung im amerikanisch-chinesischen Handelskonflikt von entscheidender Bedeutung für die Niederlande: Sollte der zögerliche Waffenstillstand im Rahmen des sogenannten Phase 1-Deals zwischen Washington und Peking am Ende in eine umfassende Einigung münden, profitierte die niederländische Volkswirtschaft davon mehr als die meisten seiner europäischen Nachbarn. Sollte dagegen jedoch der Handelskrieg wieder in aller Härte ausbrechen, dann werden die Niederlande unter den besonders hart Getroffenen sein. Und es lauert noch ein weiteres Risiko: Sollte der Brexit tatsächlich entweder in einem No-Deal-Szenario hinsichtlich der zukünftigen Handelsbeziehungen oder jedenfalls einem nur sehr oberflächlichem Handelsabkommen enden, wären es wiederum die Niederländer, die dann die größte Last zu schultern hätten.