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Schlaglicht

Unsere aktuelle Szenarioanalyse

Italy

Lange waren sie umstritten. Dann hat die populistische Regierungskoalition aus Fünf Sterne-Bewegung und Lega Ernst gemacht und die sogenannten Mini-Bots, also Staatsanleihen in Miniatur-Stückelung als Parallelwährung in Italien eingeführt.

Die von vielen ÖkonomInnen erwarteten negativen Folgen ließen nicht lange auf sich warten. Binnen weniger Monate ging die Verfügbarkeit von Euro in Italiens geschäftlichem Zahlungsverkehr dramatisch zurück, da zahlreiche Unternehmen damit begangen, Euro zu horten und ihre Rechnungen stattdessen mit den Mini-Bots zu bezahlen. Die italienische Zentralbank versuchte dem zwar verzweifelt entgegenzusteuern; doch nur die EZB hätte die Mittel gehabt, durch eine Sonderfazilität für die römische Zentralbank die benötigte Euro-Liquidität bereitzustellen. Das allerdings wurde durch mehrheitliches Votum im EZB-Direktorium verhindert, das für diesen Fall das endgültige Ausufern der Target2-Salden (also der Verrechnungsbilanz zwischen den Zentralbanken des Eurosystems) und der damit verbundenen politischen Diskussion fürchtete.

Doch konnten ohnehin nur die größeren Unternehmen Euro horten: Kleine Handwerks- und Familienbetriebe mit ihrem dauerhaften Cash Flow-Problem verfügten schon bald nurmehr über Mini-Bots zur Bezahlung ihrer Rechnungen – und sahen sich damit außerstande, ihre wirtschaftlichen Beziehungen zum europäischen Ausland aufrecht zu erhalten. Währenddessen haben sich europäische Unternehmen vollends aus Auftragsvergaben des italienischen Staats zurückgezogen, dem seinerseits nurmehr schwindende Euro-Bestände zur Verfügung stehen. Damit einhergehend sind die Renditen für italienische Staatsanleihen auf ein neues Hoch seit der Staatsschuldenkrise von 2012 geklettert, so dass Rom nun mehr als 5% Zinsen bieten muss, um sich am Kapitalmarkt in Euro zu refinanzieren – ein auf Dauer untragbares Niveau.

Die ohnehin wackelige italienische Bankenlandschaft steht unterdessen kurz vor dem Kollaps. Heimische ebenso wie ausländische Kunden haben monatelang Euro-Guthaben in das europäische Ausland transferiert, während Mini-Bot-Konten eingerichtet werden mussten. Nicht lange, und viele Banken sahen sich gezwungen, einen inoffiziellen Wechselkurs zwischen Euro und Mini-Bots anzubieten, um wenigstens etwas an Eurobeständen in ihren eigenen Büchern halten zu können; dieser Wechselkurs allerdings hat sich von Monat zu Monat verschlechtert.

Jetzt werden erste Stimmen in der Regierungskoalition laut, das bereits vor einigen Jahren angestrebte Referendum zum Austritt Italiens aus der Eurozone nun doch abzuhalten – und die Stimmung in der Bevölkerung lässt angesichts der krisenhaften Entwicklung eine weit überwiegende Mehrheit für diesen Schritt befürchten.

Lesen Sie zu den Risiken aus den Wahlen in Italien auch die zugehörige Ausgabe unseres ehemaligen monatlichen Infobriefs und prüfen Sie die untenstehende Wahrscheinlichkeitsanalyse, mit der wir diese Entwicklung seit Jahren vorweg genommen haben.

Wahrscheinlichkeitsbaum Eurokrise