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Securityflash Afrika

Die politökonomische Sicherheitslage in Afrika auf einen Blick

Unsere „Securityflash“-Ratings bewerten die politökonomische Sicherheitslage in ausgewählten Ländern Sub-Sahara Afrikas und werden mittels unserer „Sicherheitsampel“ anschaulich zum Ausdruck gebracht.

Die Auswahl der Länder erfolgt anhand von Kriterien wie der generellen Attraktivität für Direktinvestitionen (inhärent instabile Länder mit einer nahezu ununterbrochenen Geschichte politischer Gewalt und/oder ökonomischer Anarchie fallen z.B. a priori aus dem Raster) oder einer ausreichenden Informationsgrundlage für eine belastbare Einschätzung.

Die Ratings selbst nehmen wir anhand von Faktoren wie der generellen politischen und monetären Stabilität, Nepotismus- und Korruptions-Leveln sowie ethnischen Konflikten vor. Lesen Sie auch unsere detaillierteren Analysen in der Kategorie „Sicherheit“ in Bereich Konjunkturticker auf dieser Webseite für tiefergehendere Informationen.

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Äthiopien

Äthiopien zählt zu den Wachstumswundern in Sub-Sahara Afrika, wiewohl das leider bisher nicht ausgereicht hat, die Ernährung der eigenen Bevölkerung von Wetterschwankungen unabhängig zu machen. Der ökonomische Boom der letzten Jahre hat darüber hinaus einen Preis: Das Land ist ein Ein-Parteien-Staat mit einem der repressivsten Regime auf dem Kontinent, das keinerlei Opposition duldet. Dennoch haben sich 2017 die aufgestauten Spannungen zum ersten Mal nach langer Zeit in gewalttätigen Aufständen entladen, die auf eine ebenso gewaltsame Reaktion der Regierung gestoßen sind. Da dies – natürlich – nicht das Problem beseitigt hat, erwarten wir anhaltende politische Spannungen in den kommenden Monaten. Immerhin allerdings hat die Regierung in einem bemerkenswerten Schritt zum Jahresbeginn 2018 angekündigt, alle politischen Gefangenen freizulassen und Gespräche mit der Opposition aufzunehmen (allerdings nur, um Teile dieser Ankündigung später wieder zurückzunehmen). Zugleich ist aus dem Machtkampf innerhalb der regierenden EPRDF-Koalition um die Nachfolge ihres Vorsitzenden und damit Premierministers Abiy Ahmed Ali als Sieger hervorgegangen, der zur ethnischen Gruppe der Oromo gehört. Die Oromo sind gemeinsam mit den Amhara die beiden größten ethnischen Gruppen des Landes, die jedoch von der bedeutend kleineren Gruppe der Tigraya jahrzehntelang von Spitzenpositionen in der Regierung verdrängt worden sind. Der junge Premierminister ist nun sehr vielversprechend in sein Amt gestartet und hat innerhalb kürzester Zeit mit der abweisenden Haltung der Regierungen zuvor aufgeräumt. Insgesamt belassen wir damit das Rating zwar vorläufig noch auf Rot, setzen aber vorsichtig den Ausblick auf positiv.

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Botswana

Das Land ist und bleibt ein Musterbeispiel für polit-ökonomische Stabilität und -Sicherheit in Sub-Sahara Afrika. Mit einer nahezu unbefleckten Geschichte von Frieden und demokratischer Entwicklung seit der Unabhängigkeit ist Botswana eine der wenigen Ausnahmen von der „Dutch Disease“, indem es die Reichtümer seines enormen Diamantenreichtums in öffentliche Bildung und Gesundheit investiert; damit hat es ein Niveau des Pro-Kopf-BIPs erreicht, das höher liegt als irgendwo sonst auf dem Kontinent (mit Ausnahme der ölreichen, zugleich allerdings autokratischen Staaten Gabun und Äquatorial-Guinea). Da es aktuell keinerlei Anzeichen für eine kurz- bis mittelfristige Verschlechterung dieses positiven Zustandes gibt, setzen wir die Sicherheitsampel folglich auf Grün.

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Elfenbeinküste

Die Elfenbeinküste ist eine der politisch eher instabilen Ökonomien innerhalb der ECOWAS und ganz Sub-Sahara Afrikas. Zugleich ist es aber auch eines der wirtschaftlichen Kraftzentren der Region: Seine Wirtschaftskapitale Abidjan zieht mehr ausländische Direktinvestitionen an als viele Länder auf dem Kontinent insgesamt. Zwar weist es sicherlich eine relativ bessere politische Entwicklungsgeschichte als beispielsweise Gambia auf; doch in jüngerer Vergangenheit waren Ausbrüche politischer Gewalt an der Tagesordnung, begleitet durch den sporadischen Militärputsch, der mitunter sogar das französische Militär in den Konflikt hinein gezogen hat. 2017 hatte Präsident Alassane Ouattara mit einem neuerlichen Aufstand der Sicherheitskräfte zu kämpfen, weshalb wir damals die Ampel auf Gelb setzten und bis auf Weiteres auch daran festhalten.

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Ghana

Das Land hat eine mitunter turbulente und leider auch blutige Entwicklungsgeschichte seit dem Tag hinter sich, als es als das erste Land Sub-Sahara Afrikas seine Unabhängigkeit errang. Ökonomisch allerdings zählt es zu den relativ stabilen Ländern innerhalb von ECOWAS ebenso wie auf dem restlichen Kontinent. Und in seiner jüngeren Vergangenheit hat es relativ freie und manipulationsfreie Wahlen abgehalten, die 2017 in der völlig friedlichen Machtübergabe von seinem sozialistischen Vorgänger an den neu gewählten Präsidenten Nana Akufo-Addo kulminierten. Inflation und Korruption jedoch bleiben eine hartnäckige Belastung für Ghana und eine Herausforderung für die neue Regierung. Nur aus diesen Gründen sehen wir uns gezwungen, die Sicherheitsampel auf Gelb zu halten. Mit Blick auf die anhaltende politische Stabilität und die vielversprechende Reformagenda des Präsidenten allerdings setzen wir den Ausblick auf positiv.

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Kenia

Die führende Volkswirtschaft der EAC war bislang eines der erfreulicheren Beispiele für politische ebenso wie ökonomische Stabilität, nicht zuletzt Dank ihrer relativ freien Demokratie und Ökonomie. Auch wenn Kenia seinen Anteil despotischer Alleinherrscher hatte, hat sich sich seine Demokratie doch Schritt für Schritt entwickelt. Allerdings ist das Land Heimat für mehr als 40 verschiedene Stämme, die sich entlang der beiden größten politischen Parteienbündnisse gleichsam eingegraben haben; dies hat immer wieder zu ethnisch motivierten Gewaltausbrüchen, manchmal sogar zu bürgerkriegsähnlichen Unruhen wie nach den umstrittenen Wahlen 2007 geführt. Die jüngsten Wahlen am 8. August 2017 waren in einer politischen Blockade geendet, da Oppositionsführer Raila Odinga auch nach der Wiederholung der Präsidentenwahl und einschlägigen Urteilen des obersten Gerichts sich weigerte, das Ergebnis anzuerkennen. Und damit nicht genug: Am 30. Januar 2018 hatte er sich zudem als „Präsident des Volkes“ vereidigen lassen und damit faktisch eine Gegenregierung begründet. Mittlerweile jedoch haben sich zur Erleichterung des größten Teils der Bevölkerung Odinga und Präsident Kenyatta auf eine Kooperation verständigt, die für den Oppositionsführer eine Rolle als eine Art Ersten Minister vorsieht; allerdings wird sich noch zeigen müssen, wie die Anhänger Odingas auf diese Entwicklung reagieren, die von Vielen als Verrat erachtet wird. Daher sehen wir uns nach wie vor gezwungen, die Sicherheitsampel auf nur knapp unterhalb von rot zu setzen, bis sich die angespannte Situation endgültig geklärt hat (lesen Sie auch unsere jüngste, ausführliche Einschätzung zur Lage in Kenia in unserem „Konjunkturticker“).

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Sambia

Sambia ist bislang eines der eher vielversprechenden Beispiele für demokratische Entwicklung in Sub-Sahara Afrika gewesen, doch hat nun eine deutlich negative Richtung eingeschlagen: Stets seit der Präsidentenwahl im August 2016 hat der unterlegene Oppositionsführer und –kandidat Hakainde Hichilema das Ergebnis angefochten. Doch nach einem zunächst harmlos wirkenden Zwischenfall der Verweigerung des Vorfahrtrechts für die Wagenkolonne des Präsidenten wird Hichilema nun Hochverrat zur Last gelegt. Sambias Präsidialrepublik hat damit einen betrüblichen Schritt in Richtung Autokratie gemacht. Was nicht weniger kritisch stimmt ist die relativ hohe Verschuldung des Landes in US-Dollar: Insgesamt hat Sambia knapp 3 Mrd. $ Eurobonds seit 2012 verkauft, die diese rohstofflastige Ökonomie nun völlig abhängig vom Kupferpreis machen und ihre Zahlungsfähigkeit bedrohen. Somit können wir die Sicherheitsampel vorläufig nur auf Rot setzen.

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