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Sieg Labors bei Wahlen in Australien würde Immobilienpreisen einen Schock versetzen

02. Mai 2019, 11:35 Uhr

Es ist eine schon nicht mehr ganz so neue Politik von Australiens Opposition auf nationaler Ebene: die Verringerung der Steuerminderungen für jene Immobilieninvestoren, die aus ihren schuldenfinanzierten Objekten eine negative Rendite erzielen, das sogenannte negative gearing.

Bisher können sowohl private Hausbesitzer als auch kommerzielle Investoren den vollen Betrag der so anfallenden Nettoverluste aus Mieteinkünften steuermindernd geltend machen, was die Attraktivität von Immobilieninvestitionen ebenso wie der –spekulation natürlich erheblich erhöht.

Die Intention der Labor-Partei ist nun, dieses negative gearing ebenso wie die bisher ebenfalls gültige Verringerung der Steuer auf Kapitalgewinne aus Immobilienverkäufen zu streichen bzw. um die Hälfte zu kürzen, sowohl für private Hausbesitzer als auch für kommerzielle Investoren. Anzuwenden wären diese neuen Regelungen ab dem 1. Januar 2020 auf alle bereits existierenden Immobilien (im Unterschied zu erst noch zu bauenden), sollte die Partei die Wahlen in zwei Wochen gewinnen.

Neben Anderen haben etwa die Immobilien-Analysten von SQM Research bereits gewarnt, dass diese Politik wie auch ihre relativ schnelle und zumal abrupte Umsetzung direkt vom Start des nächsten Jahres weg starken Druck auf die Häuserpreise ausüben werde – die Achillesferse der australischen Verbraucher. SQM rechnet damit, dass die neuen Regelungen die Preise zwischen 5-12% im nationalen Durchschnitt fallen lassen könnten.

Die Labor-Partei, die darauf abzielt die Last von privaten Haus-Erstkäufern in Höhe von ihrem bis zu sechsfachen Jahreseinkommen zu verringern, bestreitet nicht einmal die von SQM prognostizierten Effekte; allerdings erwartet sie deutlich geringere Effekte als das Analysehaus.

Australiens überschäumender Immobilienmarkt, der künstlich von chinesischen Investoren auf der Suche nach ausländischen Anlagemöglichkeiten noch aufgebläht wurde, ist schon länger die Quelle möglichen Übels für die australische Ökonomie, sollten die Häuserpreise einmal stark zu fallen beginnen (s. Ausgabe 06/17 unseres vormaligen monatlichen Infobriefs). Tatsächlich sind die Preise bereits im Trudeln, im Fall von Sydney und Melbourne überdies heftig. Sollte Labour an die Macht kommen und ihre Pläne unvermindert umsetzen, antizipieren wir eine kurzfristige Krise am Häusermarkt, die beinahe sicher die Spendierfreudigkeit der australischen Verbraucher noch erheblich stärker als bisher verringern wird – und dies zu einem ohnehin schwachen Moment der Wirtschaft (s. Quartalswachstum des BIP im Chart). Nur die Reserve Bank of Australia, die ohnehin bereits fallende Zinsen für den Fall angedeutet hat, dass die wirtschaftliche Aktivität sich weiter abkühlen sollte, könnte dann noch einen scharfen Einbruch verhindern.


Quelle: tradingeconomics.com

[Grafik von OpenClipart-Vectors, freie Nutzung unter Pixabay Standard-Lizenz]