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Steiler Anstieg des Mindestlohns in Korea droht sich als kontraproduktiv herauszustellen

29. März 2018, 17:46 Uhr

Der Mindestlohn in der Republik Korea hat sich jüngst als hart umkämpftes Streitobjekt erwiesen. Seine Erhöhung um ganze 16% auf 7.530 Won in diesem Jahr stieß bereits auf Stirnrunzeln bei Ökonomen und Kleinstbetrieben; im Jahr 2020 soll er sogar noch um weitere, heftige 30% steigen.

Um fair zu sein, hat die Idee, die auf ein Wahlversprechen von Präsident Moon Jae-in zurückgeht, ihre Verdienste: Das Mindestlohnniveau des Landes liegt hinter dem anderer Industrieländer zurück, der Binnenkonsum ist mit rund 50% des BIP im internationalen Vergleich eher schwach ausgeprägt, und die Leistungsbilanz lässt reichlich Raum, um einige zusätzliche Importe aufzunehmen, ohne auch nur annähernd das Exportvolumen zu erreichen.

Leider jedoch gibt es drei zentrale Haken: die Produktivität, die Geschwindigkeit der Mindestlohnerhöhungen, und deren Timing.

Die Wirtschaft Südkoreas ruht traditionell auf einer exportorientierten Industrie. Diese Grundausrichtung kann nicht einfach über Nacht auf den Kopf gestellt werden, wie zweistellige Wachstumsraten bei so grundlegenden ökonomischen Parametern wie dem Mindestlohn den Eindruck erwecken. Darüber hinaus haben bereits Kleinstbetriebe im Dienstleistungssektor mit Verweis auf ihre ohnehin geringen Margen protestiert und folglich einen umfangreichen Stellenabbau in Aussicht gestellt – vor allem von jungen Arbeitskräften. Der verzwickte Dreh- und Angelpunkt des Ganzen ist dabei die Produktivität. Ohnehin auf ihrem niedrigsten Stand seit sieben Jahren, neigt die Produktivität einer Volkswirtschaft im Allgemeinen dazu, umso niedriger auszufallen, je mehr des BIP von Kleinstunternehmen im Dienstleistungssektor erzeugt wird, wo die Produktivität traditionell relativ schlecht ausfällt. Das ist natürlich kein spezifisch koreanisches Problem; tatsächlich betrifft es nahezu jedes Land der G20. Doch erlaubt es ebenso wenig einen überhöhten Anstieg des Mindestlohns.

Nicht zuletzt erscheint das Timing der Erhöhung sehr schlecht. Das BIP-Wachstum ist im letzten Quartal 2017 zum ersten Mal seit der Finanzkrise in den Negativbereich gerutscht. Sogar falls dieser Wert später zu einem schwach positiven revidiert werden sollte, hat sich das Wachstum der südkoreanischen Volkswirtschaft zuletzt doch unbestreitbar stark abgeschwächt. Es bleibt die Hoffnung, dass Präsident Moon zumindest davon überzeugt werden kann, die Größenordnung der nächsten Erhöhung im Jahr 2020 angemessen einzuschränken.