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Unternehmensinvestitionen in Indien leiden unter groben Reformen

08. Januar 2018, 14:20 Uhr

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Laut dem Centre for Monitoring the Indian Economy (CMIE) haben die indischen Unternehmensinvestitionen durch die beiden zentralen Reformen des vergangenen Jahres, Demonetisation und die Harmonisierung der Mehrwertsteuer, einen empfindlichen Dämpfer erlitten.

In der zugehörigen Pressemitteilung spricht das CMIE für das Geschäftsjahr 2017/18 sogar von dem womöglich „schlimmstmöglichen Jahr für die Unternehmensinvestitionen in Indien“. Insgesamt würde dieser jüngste Rückgang der Investitionen der dritte in Folge seit dem Hoch von 2014/15 sein; das Gesamtvolumen wäre laut CMIE dann mit rd. 4 Bio. indischen Rupien oder rd. 63 Mrd. $ zu veranschlagen. Noch beunruhigender ist das Verhältnis von abgebrochenen oder gestrichenen Investitionsprojekten im Verhältnis zu neuen oder wiederaufgenommenen: Hier rechnet das Institut mit voraussichtlich rd. 150% im laufenden Geschäftsjahr!

Dies ist keine wirkliche Überraschung. Bereits in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres wurde deutlich, dass insbesondere kleine und mittlere Unternehmen durch die plötzliche Entwertung eines Großteils des umlaufenden Bargeldes, die sogenannte Demonetisation, stark getroffen wurden, da sie ihre Geschäfte weit überwiegend bar abwickeln. Die im späteren Jahresverlauf zudem umgesetzte Harmonisierung der Mehrwertsteuer hatte so ziemlich denselben Effekt, trotz ihrer löblichen Intention, den zuvor herrschenden Dschungel aus von Bundesstaat zu Bundesstaat variierenden Steuern und Abgaben durch eine einheitliche Bundessteuer zu lichten. Die Regelungen zu Ausnahmen und abzugsfähigen Ausgaben jedoch sowie die generellen Berechnungsvorschriften haben sich als derart kompliziert herausgestellt, dass sie der Wirtschaft mindestens kurzfristig zusätzliche Verwaltungskosten beschert hat. Stets seit dem Boom, den die Wahl Premierminister Modis damals ausgelöst hatte, sind die Investitionen daher auf dem Rückmarsch. Modis Reformen zielen zweifellos auf die lange Frist; es ist jedoch in der kurzen, in der sie sich aktuelle stark bemerkbar machen.