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Yen wird von verschärftem Handelskonflikt kaum profitieren

10. Mai 2019, 15:15 Uhr

Kaum dass Donald Trump abermals den Ton in der Handelspolitik verschärft hat, ist er wieder in aller Munde: der japanische Yen. Er gilt als traditioneller „sicherer Hafen“ in turbulenten Zeiten an den Finanzmärkten, der dann zur Aufwertung neigt; letzteres allerdings wird dieses Mal nach unserer Einschätzung deutlich gedämpfter ausfallen, wenn überhaupt.

Der Grund dafür liegt in der Natur der drohenden Krise der Weltwirtschaft: einer massiven Beeinträchtigung des Außenhandels. Der Yen dient immer dann als verlässlicher sicherer Hafen, wenn geopolitische Krisen wie der Brexit, die Eurokrise von 2012 oder auch einfach ’nur‘ herdengesteuerte Nervosität die Finanzmärkte erschüttern. Doch dieses Mal liegen die Dinge anders: Nippons Volkswirtschaft ist in besonderem Maße vom Außenhandel abhängig. Alles, was dessen Reibungslosigkeit beeinträchtigt oder gar unterbindet, ist für den Yen eine ebenso große Belastung wie etwa für den chinesischen Renminbi, den südkoreanischen Won, den taiwanesischen, Singapurer oder den australischen Dollar.

Relativ mag unter diesen Umständen der Yen zwar weniger unter Druck geraten als die anderen genannten Währungen – von Entwicklungsländern ganz zu schweigen, wie etwa der Türkei, Brasilien oder Indonesien (s. Post zur Nettoauslandsverschuldung). Aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird er nicht dieselbe Aufwertungsdynamik an den Tag legen wie sonst in Krisenzeiten gewohnt.

Und noch etwas spricht gegen eine (weitere) deutliche Yen-Aufwertung in den kommenden Monaten: die japanische Zentralbank. Gouverneur Kuroda und seine KollegInnen zählen international zu den entschlossensten ‚Tauben‘ unter den Geldpolitikern, mehr noch als die EZB. Sie haben überhaupt keinen Zweifel daran gelassen, dass sie einer kraftvollen Aufwertung des Yen mit allen Mitteln entgegenwirken werden; dies umso mehr, da Japans Netto-Außenhandelsbeitrag zuletzt immer tiefer in negatives Territorium gerutscht ist und dies durch einen globalen Handelskonflikt noch verschärft werden würde.

Schließlich und endlich stehen insbesondere Japans Haushalte und Finanzinvestoren angesichts notorischer Negativzinsen in der Heimat in besonderem Maße unter Kapitalexportzwang, wenn sie eine auskömmliche Rendite erzielen wollen; und just in den kommenden Monaten werden zahlreiche heimische Staatsanleihen fällig, deren Kapital dann reinvestiert werden muss. Sogar oder gerade unter den Bedingungen eines Handelskonflikts und der damit verbundenen, extra-expansiven Geldpolitik der Bank von Japan wird dieses Kapital ins Ausland drängen – und damit noch zusätzlichen Druck auf den Yen ausüben.

Unter dem Strich rechnen wir damit zwar mit einer ggf. milden Aufwertung des Yen gegenüber dem US-Dollar und zumal dem Euro bzw. dem britischen Pfund (gegenüber letzteren für den Fall eines ungeordneten Brexits oder anderer politischer Krisen in der Eurozone durchaus auch augeprägter), aber auch gegenüber dem in einem anhaltenden Handelskrieg besonders exponierten Singapur-Dollar in den nächsten 6-12 Monaten. Relativ deutlich weniger ausgeprägt dürfte dagegen der Yen gegenüber dem australischen Dollar performen (wenn auch unter deutlich erhöhter Volatilität, die zuletzt historische Tiefstände erreicht hat) sowie gegenüber dem koreanischen Won und dem chinesischen Renminbi, weil alle drei genannten Währungen primär unter demselben negativen Einfluss stehen werden. Das heißt allerdings nicht, dass dem Yen deswegen eine regelrechte Abwertung bevorstünde: Wenn er unter diesen Bedingungen seine aktuellen Niveaus auch nur halten sollte, würde er damit bereits seiner Rolle als klassischer Hort der Stabilität gerecht.

[Bild: Jasmin777, freie Verwendung unter Pixabay-Standardlizenz]