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Anleiherenditen werden weiter steigen und neues Finanzparadigma einläuten

11. März 2021, 16:20 Uhr

Ja, wir waren etwas zu früh dran mit unserer Erwartung steigender Anleiherenditen, darunter vor allem jene von US-Staatsanleihen. Doch kommen nun zwei Elemente zusammen, die letztes Mal noch fehlten: Massive staatliche Ausgabenprogramme und (daher) die Rückkehr der Inflation. Die Renditen werden daher weiter steigen und somit eine grundlegende Verschiebung des Paradigmas einläuten, das stets seit der Finanzkrise die Kapitalmärkte beherrscht hat.

Die treibende Kraft hinter dem jüngst erfolgten Anstieg der Renditen von Staatsanleihen waren zweifellos steigende Realzinsen: Nach Jahren der Finanzdominanz, in denen die Märkte Liquidität aufgesaugt haben für die die Realwirtschaft keine rechte Verwendung finden konnte, ist dies bereits das erste Paradgima, das sich verschoben hat. Mit der Aussicht darauf, dass die Pandemie sich ab dem Sommer abschwächen und damit sowohl Volkswirtschaften als auch Verbraucherportemonnaies sich wieder öffnen dürften, wird die Investitionsnachfrage zum ersten Mal seit Jahren spürbar anziehen. Denn schon Keynes wusste: Die Investitionsneigung der Unternehmen hängt in erster Linie von ihrer Zuversicht ab, ihre Produkte verkaufen zu können (mit den Kosten für Kapital und Arbeitskraft an klar zweiter Stelle in der Entscheidungshierarchie); diese hängen wiederum primär von kräftigem BIP-Wachstum ab. Und zum ersten Mal seit der Großen Rezession stehen auch die entwickelten Volkswirtschaften vor Wachstumsraten, die zuletzt eher Ländern wie Indien und China vorbehalten blieben.

Der Durst der Realwirtschaft nach Liquidität wird daher in einen Wettbewerb um jene Finanzmittel treten, die bislang quasi alternativlos in den Kapitalmärkten geparkt wurden, was die Realzinsen antreibt. Doch bliebe es lediglich bei diesem Mechanismus, dann wäre der Anstieg der Anleiherenditen limitiert angesichts der enormen Mengen von Zentralbankliquidität, die zur Zeit durch das System schwappen. Ein zweiter Faktor muss hinzukommen, um steigende Renditen zu gewährleisten: Inflation.

Viele Ökonom*innen, Analyst*innen und Journalist*innen tendieren dazu, die Rückkehr dieses vormaligen Schreckgespenstes der Finanzmärkte von der Hand zu weisen und argumentieren, dass die mit Blick auf die stets seit der Finanzkrise erfolgte, massive Liquiditätszufuhr gemachten Vorhersagen wieder anziehender Inflation sich immer wieder als falsch herausgestellt hätten. Nun, das liegt dann einfach daran, dass sie fehlgeleiteter Theorie anhängen: Der Fetisch des Monetarismus, der Inflation „immer und überall zum monetären Phänomen“ (Milton Friedman) stempelt, ist stets eine Verirrung gewesen. Inflation ist vielmehr ein realwirtschaftliches Phänomen, das entweder aus einer gesamtwirtschaftlichen Überschussnachfrage oder aber Faktorkostendruck resultiert (man denke an die Ölkrisen oder die starken Gewerkschaften der Nachkriegszeit), die jeweils über den Erwartungen der Unternehmen liegen und insofern überraschend (!) eintreten. Der Einzige allerdings, der solch eine Überschussnachfrage buchstäblich per Dekret und damit exogen vom Marktmechnismus bewirken kann, ist der Staat. Hohe und schuldenfinanzierte Staatsausgaben sind der todsichere Weg die Preise in Bewegung zu versetzen, solange sie nicht durch künstlich niedrig gehaltene Löhne (Beispiel Japan) konterkariert werden – und genau dies ist nun in der Pipeline.

Wenn diese Staatsnachfrage zudem auch noch durch eine Zentralbank unterstützt wird, die die Liquiditätszufuhr auf Maximum hält, wird der preistreibende Effekt noch potenziert. Daher hegen wir keinen Zweifel dass der aktuelle Anstieg der Inflation sich nicht lediglich als Strohfeuer herausstellen wird, das hernach wieder in die alte, „säkulare Stagnation“ genannte Nicht-Dynamik zusammenfällt. Natürlich können diskretionäre staatliche Ausgabenprogramme eine Volkswirtschaft kaum auf ein dauerhaft höheres Wachstumsniveau hieven. Aber besonders wenn sie zu Zeiten einsetzen, in denen sich die „tierischen Instinkte“ der Unternehmen ohnehin wieder zu regen beginnen, heizen sie den Kessel jedenfalls genug an um ordentlich Schaum zu produzieren.

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