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#Currencyflash: Bärenstarker Dollar, Sterling in den Startlöchern und der Euro im Orkus

19. März 2020, 17:00 Uhr

Wie es scheint, lagen wir im Januar nicht schlecht mit unserer Einschätzung eines starken US-Dollars für den Rest des Jahres – und das aus einer Reihe von Gründen lange bevor das Coronavirus ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückte. Nun da die Pandemie die globale Wirtschaft zum Stillstand gebracht hat, erhöht die erzwungene Nachfrage nach Dollarliquidität noch zusätzlich den Aufwertungsdruck auf die US-Währung.

Und so wird es auch bleiben. Egal wie viel die US-Notenbank noch auf den Geldmarkt werfen wird, allein die schiere Größe der globalen, in US-Dollar denominierten Schulden in einem zweistelligen Billionen-Volumen, von denen jedes Jahr ein Gutteil refinanziert werden muss, wird gerade jetzt die Nachfrage nach dem Greenback noch auf Monate hinaus auf hohem Niveau halten. Insbesondere gegen den bedrängten Euro, der durch eine neue Staatsschuldenkrise unter seinen schwächeren Clubmitgliedern bedroht wird, aber auch gegen den japanischen Yen, der zweifellos unter Druck geraten wird wenn die Bank von Japan die Mutter aller Liquiditätsfluten auslöst, dürfte der Dollar erheblich an Wert gewinnen. Darüber hinaus wird in diesem spezifischen Szenario, in dem die Solvenz Vorrang gegenüber relativer Anlagesicherheit hat, der Yen nicht so stark von seinem Status als sicherer Hafen profitieren wie üblich. Nageln Sie uns nicht auf exakte numerische Werte in diesen chaotischen Zeiten fest; aber Sie sehen den grundlegenden Trend.

Wie steht es nun um das britische Pfund, mögen Sie sich ebenfalls fragen. Nun, in der kurzen Frist wird Großbritanniens Währung quasi wie eine Schwellenlanddevise behandelt: Sowohl gemessen an den Weltdevisenreserven als auch dem Volumen an Pfund-denominierten Schuldtiteln ist das Pfund einfach zu klein um dem aktuellen Malstrom zu entrinnen. Doch Obacht: In dem Moment, da die Panik nachlässt, wird der zwischen Schatzamt und Bank von England koordinierte Stimulus, der perfekt dazu geeignet ist das größte Übel von der britischen Ökonomie abzuwenden, das Vereinigte Königreich beinahe sicher besser aus der Krise kommen lassen als die meisten seiner G10-Partner, was im Ergebnis zu einem starken Schub für das Pfund führen wird. Und wenn mit aller Wahrscheinlichkeit aus offensichtlichen Gründen Boris Johnson schließlich doch eine Verlängerung der Brexit-Übergangsfrist beantragen muss, wird dieser Schub sogar noch stärker ausfallen, wenn auch nicht gegenüber dem US-Dollar.

Für Rohstoff-Währungen wie den Australien-, Neuseeland- und den Kanada-Dollar sind die Umstände aktuell die perfekte Katastrophe. Ihre massive Abwertung wird erst gestoppt werden wenn und sobald China aus seinem ökonomischen Infarkt wieder aufwacht, was allerdings zugleich durchaus bereits in der zweiten Jahreshälfte erfolgen mag.

All dies könnte am Ende sehr gut in dem von uns schon länger antizipierten Versuch der Regierung Trump münden, den Dollar durch direkte Intervention zu schwächen, was den Startschuss für einen regelrechten Währungskrieg bedeutete. Doch können die USA diese Auseinandersetzung nicht gewinnen: Solange die Weltwirtschaft unter ökonomischem Stress die US-Währung zurücklegt und sie zur Begleichung ihrer Schulden benötigt, wird der Dollar im Angesicht globaler Verwerfungen stets Stärke zeigen.

[Bild: geralt, freie Verwendung unter Creative Commons-Lizenz CCO 1.0]