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#Currencyflash: Wunschdenken treibt Brasilianischen Real in überbewertetes Terrain

09. März 2017, 14:29 Uhr

Reais

Blickt man auf eine Indikatorenliste zu Brasiliens Ökonomie, kann man nur den Eindruck eines zunehmend ins Stottern geratenen Motors gewinnen: Die Arbeitslosigkeit ist mit 12% auf ein Mehrjahreshoch geklettert, die Kredite an den privaten Sektor verzeichnen ihren ersten Rückgang seit Beginn ihrer Veröffentlichung 2007, und die Zinsen fallen. Dennoch zeigt sich der Real unbeeindruckt und hat über das vergangene Jahr spektakulär aufgewertet: Um beinahe 25% gegenüber dem Euro und sogar mehr als 30% gegenüber US-Dollar bzw. Yen.

Aus unserer Sicht ist das nichts als Wunschdenken, vermutlich begründet auf einer Handelsbilanz die tatsächlich in deutlich besserer Verfassung ist, als man das nach der makroökonomischen Datenlage erwarten würde; so pendelt der Handelsüberschuss aktuell um ein Mehrjahreshoch. Doch die Leistungsbilanz zeichnet ein vollkommen anderes Bild: Nachdem sie sich zwischen 2014 und Mitte 2016 deutlich verbessert hatte, hat sie sich seitdem kontinuierlich eingetrübt und unterstreicht damit den Druck auf die belagerte Volkswirtschaft. Zugestanden, die Devisenreserven verbleiben einstweilen auf hohem Niveau und sind vollkommen ausreichend, um eine potentielle Währungskrise abzuwehren – aber das ist kaum Grund genug für eine Aufwertung in oben beschriebenem Ausmaß. Die Rezession hat sich mittlerweile im achten Quartal in Folge regelrecht eingegraben und jüngst sogar wieder verschärft; schwer zu erkennen, welche Fundamentaldaten eigentlich den Real auf seinem hohen Bewertungsniveau halten. Daher erwarten wir für die nahe Zukunft eine Umkehrung des spekulativen Aufwertungslaufs, insbesondere gegen den allgemein erstarkenden US-Dollar und den japanischen Yen, sollte die europäische Politik im Jahresverlauf tatsächlich ins Chaos taumeln. Zeit für die Bären in Rio also.

 

[Grafik: joaogbjunior, freie Verwendung unter Creative Commons-Lizenz CC0 1.0]

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