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Devisenbrett

Unsere aktuellen Einschätzungen

Die Bewertung von Devisenbeständen und das zugehörige Liquiditätsrisiko ist in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die ihre Zahlungsvorgänge zum Teil in ausländischer Währung abwickeln, eine große Herausforderung, zumal in Krisenzeiten. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen unsere aktuellen Prognosen zu den wichtigsten Wechselkurspaaren für die jeweils nächsten 3 Monate bereit, alle im Verhältnis zum Euro.

Unsere aktuelle Nachfrage: keine

(Zu unseren Konditionen s. unser Leistungsverzeichnis)


EUR/AUD

Revision vom 5. Mai: Nach der heutigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird der Euro unter zusätzlichen Druck geraten, was sein Aufwertungspotential u.a. gegenüber dem „Aussie“ limitiert.

Dennoch bleibt dies eins der wenigen wesentlichen Wechselkurspaare, in denen der Euro die Oberhand hat, jedenfalls in der kurzen Frist. Der australische Dollar ist traditionell ein zuverlässiges Barometer für die Reibungslosigkeit innerhalb der Weltwirtschaft: Solange letztere gemütlich vor sich hin schnurrt, steht der Aussie hoch im Kurs. Doch sobald das Räderwerk zu knirschen beginnt, gerät er unter Druck. Aktuell bedeutet das, dass der australische Dollar gegenüber dem Euro weniger weiter abwerten wird als gegenüber US-Dollar oder Yen; aber er wird weiter unter Druck stehen und insofern dauerhafter belasteter bleiben als der Euro.

EUR/CAD

Zumeist ist der Kanada-Dollar eine Funktion der Preise für Brent-Öl; und in Zeiten eines Schocks für die gesamte Weltwirtschaft auf einen Schlag gilt dies noch mehr als gewöhnlich. Obwohl der „Loonie“ es vermocht hat, sich seit dem ersten Corona-Börseneinbruch einigermaßen zu stabilisieren, war auch dies vorrangig Resultat einer korrespondierenden Stabilisierung der Ölpreise nach ihrem jähen 40%+ – Absturz im März. Generell ist die kanadische Ökonomie ebenso wie ihre Commonwealth-Verwandten auf der anderen Seite der Welt relativ anfälliger für eine Abschwächung der Weltwirtschaft als die übrigen Ökonomien der G7. Dies ist dann auch der Grund, warum wir in der kurzen Frist für den Euro leichte Zugewinne vis-à-vis CAD erwarten, auch wenn vergleichsweise geringere als beispielsweise ggü. der türkischen Lira (s.u.).

EUR/CNY

Der chinesische Yuan sieht nicht gut aus – gar nicht gut. Nicht nur, dass Chinas Kapitalbilanz zunehmend unter Druck gerät, und die Coronakrise dabei als Brandbeschleuniger eines ohnehin vorhandenen Trends wirkt: Die chinesische Volkswirtschaft sieht zudem besonders verwundbar bzgl. einer Unternehmensschuldenkrise aus, sowie die Märkte einmal beginnen werden, sich an den immer weiter zunehmenden Refinanzierungsnöten zu verschlucken. Portfolio-Umstrukturierungen unterstreichen diese Analyse: Ausländische Investoren haben ihre Investitionen in chinesische Aktien und Unternehmensanleihen abgeschwächt und stattdessen auf Staatsanleihen refokussiert. Vor diesem Hintergrund könnte der Euro sich im Vergleich positiv entwickeln – besser jedenfalls als im Vergleich zu vielen anderen Währungen.

EUR/GBP

Revision vom 13. Mai: In der sehr kurzen Frist (2-4 Wochen) könnte der Euro durchaus eine Rally gegen ein zunehmend verwundbares Pfund Sterling an den Tag legen, doch änderte das nichts an der zu Grunde liegenden Analyse:

Dieses Wechselkurspaar ist nicht ganz so klar strukturiert wie jene zum US-Dollar und dem japanischen Yen (s.o.), doch aus unserer Sicht ebenfalls zu Ungunsten des Euros austariert: Während die Eurogruppe noch immer keine gemeinsame Strategie gegen die Coronakrise gefunden hat, ist im Vereinigten Königreich bereits eine konzertierte Aktion von Fiskal- und Geldpolitik angelaufen, so dass die Investoren sogar eine Herabstufung britischer Staatsanleihen kaum beeindruckt hat. Sollte aller Wahrscheinlichkeit nach nun auch noch die Brexit-Übergangsphase auf Grund der abrupt ausgesetzten Verhandlungen über das Jahresende hinaus verlängert werden, wird das dem Pfund einen weiteren kräftigen Schub verleihen.

EUR/JPY

Siehe oben. Da der japanische Yen einer der weltweit favorisierten sicheren Häfen in Zeiten ökonomischer Krisen ist, ist auch dieses Wechselkurspaar zu Ungunsten des Euros gewichtet, und das kräftig. Der Hauptunterschied zum Dollar ist der, dass die Bank von Japan noch nicht alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel ausgeschöpft hat, darunter v.a. explizites „Helikoptergeld“. Sollte sie noch auf solche Maßnahmen zurückgreifen, könnte das Abwertungspotential des Euros hier immerhin etwas geringer ausfallen als gegenüber dem US-Dollar.

EUR/SEK

Gegenüber der schwedischen Krone ist die generelle Relativposition des Euros kaum anders, wenn auch ein wenig besser: Nachdem sie just in der zurückliegenden Chaoswochen bis in Reichweite seiner Höchstkurse aus der Finanzkrise gekommen war, ist die europäische Gemeinschaftswährung seitdem in die Knie gegangen. Aus unserer Sicht sind dabei zwei Faktoren entscheidend gewesen: zum einen der relative risk-on-Modus der Märkte seit dem Tiefpunkt des Ausverkaufs im März, der liquiditätsarme Währungen mit großer Abhängigkeit vom Außenhandel wie SEK begünstigt hat. Zum anderen ist der Euro selbst durch die fortgesetzte Uneinigkeit der Eurogruppe in Bezug auf die beste Antwort auf die Coronakrise geschwächt. Abseits einer erneuten, volatilen Verkaufswelle erwarten wir daher, dass die Schwedenkrone ihre milde Aufwertung gegenüber dem Euro in der kurzen Frist fortsetzen wird.

EUR/SGD

Der Singapur-Dollar ist relative stabiler als seine australischen, neuseeländischen oder kanadischen Cousins – was natürlich wenig verwundert, wenn man berücksichtigt, dass die Monetary Authority of Singapore ihre Geldpolitik durch die Lenkung des Außenwerts des Sing-Dollars implementiert. Nun da sie just die Handelsspanne gesenkt hat, in der der Sing-Dollar gegenüber einem Korb anderer Währungen schwanken darf, könnte man erwarten, dass Singapurs Währung noch zusätzlich abwertet; doch eben das erwarten wir aus den hier genannten Gründen nicht.

EUR/USD

Die Karten in diesem Wechselkurspaar sind vollständig gegen die europäische Gemeinschaftswährung verteilt. Nicht nur dass die Staaten der Eurozone sich nach wie vor nicht auf ein koordiniertes Vorgehen zum Schutz ihrer Volkswirtschaften gegen die Schäden des Coronavirus‘ einigen können – das globale Ringen um Dollarliquidität bringt den Greenback darüber hinaus vorläufig in Vorteil. Kurze, heftige Rallies zwischendurch ändern nichts am generellen Trend, der abseits einer plötzlichen Änderung der politischen Kulisse dezidiert negativ ist.

EUR/TRY

Revision vom 5. Mai: Nach der heutigen Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts wird der Euro unter zusätzlichen Druck geraten, was sein Aufwertungspotential u.a. gegenüber der Lira limitiert (s. AUD oben).

Neben dem Australien-Dollar bleibt dies dennoch eins der wenigen Wechselkurspaare, für die wir eine Aufwertung des Euros antizipieren. Die Türkei rangiert unter den Emerging Markets, die am heftigsten von der Coronakrise getroffen werden. Seine starke Abhängigkeit von Auslandsschulden und Rohölimporten, die beide in US-Dollar denominiert sind machen das Land besonders anfällig in Zeiten finanziellen Stresses. Mit Blick eben darauf war einer der wenigen Lichtblicke zuletzt der Einbruch des Ölpreises gewesen, der just zum richtigen Zeitpunkt den Druck auf die Zahlungsbilanz reduzierte; doch nach der zwischenzeitlichen Stabilisierung von Brent und WTI ist der Druck auf die Türkei wieder erhöht worden. Daher können wir nicht erkennen, wie sich die türkische Lira gegenüber den Weltleitwährungen und damit auch dem Euro jedenfalls in der kurzen Frist irgend anders als nach unten entwickeln soll.