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Interessante Argumente gegen Dollar-Rally – aber wir sind nicht überzeugt

01. Februar 2017, 13:45 Uhr

USD

Konsensmeinungen laden zur Opposition ein – glücklicherweise. Eine der prominentesten Konsensmeinungen kurz nach der Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten war, dass sein angekündigtes Programm aus Deregulierung, Steuersenkungen und Infrastrukturinvestitionen zu einem starken Dollar führen dürften. Demgegenüber gewinnt jedoch eine Minderheit an Stimme, die im Gegenteil davon ausgeht, dass der Dollar seinen Höhepunkt bereits überschritten hat und in diesem Jahr eher einen Schwächeanfall erleiden dürfte. Die Vertreter dieser Analyse bieten sehr interessante Argumente auf – allein, wir sind nicht überzeugt.

Die Basis dieser Fraktion ist ein Leveleffekt: Sie argumentieren dass die Auslandsnachfrage nach US-Dollar ihr Hoch bereits im vergangenen Jahr erreicht habe, als China damit begann, US-Treasuries zu verkaufen statt neue hinzuzukaufen, wie es das die Jahre zuvor getan hatte, und dass es nicht genügend Nachfrage nach US-Exporten gäbe, um diesen Effekt auszugleichen. Im Kontrast dazu sehen die Verfechter dieser Ansicht insbesondere für den Euro eine starke Nachfrage, um für all jene Güter zu bezahlen, die die Welt – und zumal China – nach wie vor bevorzugt kaufen: Deutsche Autos, Französische Luxusgüter und Italienischen Lifestyle.

Wir legen Widerspruch ein.

Es besteht noch immer eine starke Nachfrage nach US-Dollar aus asiatischen Ländern neben China, vor allem aus Japan. Die Bank von Japan muss auch weiterhin Yen gegen Dollar verkaufen, um Nippons Währung niedrig zu halten und die Inflation anzuheizen. Vor diesem Hintergrund wird Japan einer der emsigsten Käufer von US-Staatsanleihen bleiben. Dasselbe gilt für Länder wie Südkorea, Vietnam, Thailand und Indonesien, wenn auch in deren Fall eher für Zwecke der Reservenbildung denn der gezielten Schwächung der eigenen Währung. Was allerdings zugleich tatsächlich seinen Höhepunkt erreicht hat ist der Verkaufsdruck aus China, das mittlerweile mehr auf Kapitalkontrollen als Devisenmarktinterventionen setzt, um den Renminbi zu stützen. Und zu guter Letzt – bedauerlich wie sie sind – werden die protektionistischen Maßnahmen der Regierung Trump zu einer verstärkten Kapitalflucht aus den Emerging Markets führen; und dreimal dürfen Sie raten, wohin dieses Geld dann fließen wird.

Zugestanden, in der kurzen Frist stiftet der aktionistische Regierungsstil Trumps Unsicherheit und übt so Druck auf den Dollar aus – ein Umstand, den der Präsident selbst angesichts seiner Äußerung, dass ein starker Greenback die USA „töte“, begrüßen wird. Aber das ist nur die kurze Frist. Und sogar Donald Trump wird den Dollar nicht ‚schwach tweeten‘. Viel gewichtiger sind dagegen seine reflationierenden Maßnahmen, von Protektionismus bis zu Infrastrukturprogrammen, die mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu mindestens drei Zinserhöhungen der Federal Reserve in diesem Jahr führen werden (jawohl, mindestens; wir werden diesem Post in den kommenden Wochen einen weiteren zu unseren Zinserwartungen hinsichtlich der Fed, der EZB, der Bank von England und der Bank von Japan folgen lassen).

Es könnte immerhin durchaus sein, dass die Dollar-Bären in einem Aspekt Recht behalten: Relativ zu anderen Währungspaaren dürfte EURUSD sich am besten schlagen, da die EZB – mit Ausnahme der BoJ – mit Abstand von der expansivsten Politikbasis weltweit startet. Auch nur eine kleine Verringerung ihres Anleihekaufprogramms, geschweige denn dessen völlige Aussetzung infolge der stark anziehenden Inflationsraten in der Eurozone wird den Euro stark aufwerten lassen.

 

[Photo: geralt, Verwendung unter Creative Commons-Lizenz CCO 1.0]

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