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Märkte fehlinterpretieren die Folgen des Fed-Updates

21. Juni 2021, 15:21 Uhr

Schon häufig haben die makroökonomischen Effekte der Corona-Pandemie ebenso wie die Maßnahmen zu ihrer Abwehr zu auf den Kopf gestellten Märkten geführt. Die Ankündigung der Federal Reserve in der vergangenen Woche, früher als bisher erwartet mit Zinserhöhungen zu beginnen, ist ein prominentes Beispiel.

Mit dem demonstrativen Schwenk in Richtung einer restriktiveren Geldpolitik bereits im Juni haben die US-Notenbanker die Märkte auf dem falschen Fuß erwischt. Doch anstatt eines Abverkaufs in der Vorwegnahme reduzierter Anleihekäufe durch die Zentralbank einerseits und steigender Zinsen andererseits haben US-Staatsanleihen regelrecht haussiert, mit den Renditen auf entsprechend mehrmonatigen Tiefständen. Das erscheint seltsam, weil es seltsam ist.

Viele Marktbeobachter argumentieren dies beruhe darauf, dass Anleiheinvestoren vom Gespenst der Inflation nun befreit worden seien, jetzt da die Fed ihre Entschlossenheit zu dessen Austreibung demonstriert habe. Doch bizarrerweise übersehen dieselben Kommentatoren dabei eben das, was eine viel größere Wirkung auf die Anleihekurse und damit -Renditen haben wird: der bevorstehende Anfang vom Ende des vielbeschworenen „Fed Puts“, also der impliziten Option von Anleiheinvestoren ihre Papiere nahezu unabhängig vom Preis an die US-Notenbank verkaufen zu können. Doch nicht genug damit dass die Fed ihre Anleihekäufe reduzieren wird, bevor das Jahr zu Ende geht: Sie hat zudem angekündigt, die Zinsen früher erhöhen zu wollen als sie selbst ursprünglich vorgesehen hatte. Zugleich halten Jay Powell und seine Kolleg*innen jedoch an ihrem neuem „average inflation targeting“-Regime fest, also die Inflation bewusst eine Zeit lang überschießen zu lassen, bis die Beschäftigung wieder ihr vor-Corona-Niveau erreicht hat.

Damit werden sich die Anleihemärkte bald von der Mutter aller Zwickmühlen konfrontiert sehen: Ein Rückgang der bisher garantierten Basisnachfrage gepaart mit der Aussicht von inflationsreduzierten Erträgen für wenigstens ein Jahr, mit schließlich steigenden Zinsen in der Zeit danach, die somit die Kurse bestehender Anleihen noch mehr unter Druck setzen werden.

Was also ist dann die Ratio dafür, dass sich die jahrzehntelange Rally an den Anleihemärkten fortsetzt? Nun, es gibt keine. Ja, die Fed wird absehbar aggressiver auf die mögliche Rückkehr der Inflation reagieren als angenommen, was die Gefahr einer Preisspirale weitestgehend bannen dürfte; doch just die Maßnahmen, die sie dafür ergreifen wird, sind für die Märkte noch giftiger, die sich so sehr an ein einschläferndes Handelsumfeld gewöhnt haben – der MOVE-Index der US-Investmentbank Merrill Lynch, der die Volatilität auf dem Markt für US-Staatsanleihen misst, nimmt eben dies bereits vorweg. Die Renditen werden weiter steigen. Und das Paradigma auf den Anleihemärkten ist bereits ins Rutschen geraten. Nehmen Sie uns beim Wort.

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