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SiNGES

Singapurs Konjunktur auf einen Blick

Singapur ist der Business-Hub des Commonwealth in Südostasien. Daher verfolgen wir die ökonomische Entwicklung der Lion City mit unserem eigenen Konjunkturindikator, dem SiNGES. Er ist analog zu unserem UKES konstruiert und daher in zwei Komponenten und den Hauptindikator unterteilt.

Die Komponente „Erwartungen“ läuft der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung voraus und umfasst Daten wie die Zins- und Inflationsentwicklung, das Konsumentenvertrauen etc. Die Komponente „Status“ beschreibt die aktuelle Lage und beinhaltet Daten wie die Produktionsleistung von Industrie und Dienstleistungen, den Außenhandelsbeitrag etc. Der Gesamtindikator setzt sich schließlich aus diesen beiden Komponenten zusammen.


Der SiNGES ist so skaliert, dass eine Lage von „Status“-Komponente und Hauptindikator oberhalb der Nulllinie einen Aufschwung anzeigt. Folgende Signale erzeugt der SiNGES außerdem: Bricht die Linie der „Erwartungen“-Komponente von unten nach oben durch die „Status“-Komponente, so ist dies ein sicheres Indiz für eine aufhellende Konjunktur in absehbarer Zukunft (3-6 Monate) und vice versa. Liegt ferner die „Status“-Komponente oberhalb des Hauptindikators, zeigt dies ein gesundes, längerfristiges Wachstum an; liegt sie dagegen darunter, bedeutet dies einen noch nicht nachhaltigen Aufschwung bzw. eine beständige Rezession.
Quellen: Monetary Authority of Singapore, Trading Economics, Bloomberg

+++29. September: Die v-förmige Erholung ist da, bleibt aber anfällig gegenüber einem neu erstarkten Coronavirus+++

Die v-förmige Erholung von Singapurs Wirtschaft, die unser SiNGES über den Sommer bereits vorweg genommen hatte, hat sich tatsächlich eingestellt: Nach dem steilen Absturz im 2. Quartal hat sich die ökonomische Aktivität ebenso kräftig erholt, mit beiden Komponenten des SiNGES und damit auch dem Hauptindikator zurück in positivem Territorium. Industrieproduktion, Außenhandelsbeitrag und Einzelhandelsumsätze deuten alle auf eine ordentliche Erholung hin, wenn auch mit einem insgesamt schwächelnden Dienstleistungssektor (s. zugehörige PMI-Daten). Und der ausschlaggebende Faktor ist just jener, den wir bereits früh hervorgehoben haben: Die chinesische Volkswirtschaft, die schneller und besser aus dem Coronaschock hervorgegangen ist als die meisten anderen. Doch wie stets mit diesem höchst ungewöhnlichen Stromschlag der Pandemie in Bezug auf die Weltwirtschaft gilt auch hier ein entscheidender Vorbehalt: Die vorläufig starke Erholung ist vollkommen abhängig von der weiteren Entwicklung des Coronavirus‘ in der nahen Zukunft – und leider zeigen die Zahlen in die falsche Richtung. Das zeigt sich auch in den Details unseres SiNGES: Die Erwartungen-Komponente bleibt vorläufig hinter der Statuts-Komponente und damit auch dem Hauptindikator zurück, was eine gedämpfte ökonomische Expansion anzeigt. Denn die Erwartungen gehen meist der Status-Komponente und dem Hauptindikator voraus, wie ein Blick auf den Chart zeigt. Überdies zeigt sich dabei auch, dass die ökonomische Abbremsung im Stadtstaat bereits vor dem Beginn der Pandemie einsetzte: Der amerikanisch-chinesische Handelskonflikt, der immer wieder mal überkocht, ist und bleibt eine Fußfessel für die handelsabhängige Volkswirtschaft Singapurs. Weit davon entfernt einer Lösung zugeführt zu werden, scheint dieser Konflikt vielmehr unabhängig davon Bestand zu haben, wer die nächsten vier Jahre Herr im Weißen Haus ist. Kein Wunder also, dass die Wirtschaft der Lion City vorerst sehr zurückhaltend auf die aktuelle ökonomische Erholung schaut, solange dieser giftige Mix aus Coronavirus und Protektionismus weiter seine üblen Dämpfe verströmt.